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31.1.2021 Webredaktion

Auf Facebook habe ich den folgenden Beitrag gefunden:

Da ja häufig über die Berufsschifffahrt geschimpft wird, möchte ich euch gerne einmal die andere Seite zeigen (ich mache beides, segeln und große Schiffe fahren).
In jeder vernünftigen Reederei wird sich von Seglern klargehalten, wenn sie segeln. Ich persönlich zeige Kursänderung früh und deutlich an, da ja viele Segler kein Radar haben und so sicher sein können, das ich sie gesehen habe und nicht über den Haufen fahre.

Orendt 1Aber: dazu muss man sie auch sehen. Im Anhang wollte ich zeigen, wie ein 12m Segelboot bei perfekten Bedingungen auf dem Radar aussieht, wenn es keinen Reflektor oder AIS hat. (Das Bild entstand während wir vor Anker lagen, keine Angst.)

Orendt 2Jetzt stellt euch vor, es hat Windstärke 7, und da ist ein weißer Rumpf zwischen den Schaumkämmen der Wellen, vielleicht noch mit gerefften Segeln. Es ist manchmal wirklich sehr schwer, Segler zu sehen. Noch schlimmer ist es Nachts, wenn bei manchen die Positionsleuchte so schwach ist, dass man das Segelboot erst 1-2 NM vorher sieht.
Deshalb: Ein Radarreflektor ist ein sehr großes Sicherheitsplus und aktives AIS ist noch besser. Manche Kollegen halten sich nicht klar von euch, weil sie euch ärgern wollen, sondern weil man Segler manchmal schlicht und ergreifend nicht sieht.
Dieser Post ist nicht als Anfeindung gedacht, sondern soll einfach die Situation aus der Groß-Schifffahrt zum besseren Verständnis zeigen.
Guten Wind und immer eine Handbreit Rum in der Tasse.

Alex Orendt

Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung des Autors Alex Orendt

Erläuterungen der Redaktion zu den Bildern:
Das obere Foto zeigt den Blick von der Brücke des Eigenschiffs (Ankerlieger). Steuerbord voraus ist als kleiner Punkt (rot eingekringelt) der motorende Segler, im Hintergrund ist das ankernde Kreuzfahrtschiff und an seinem Heck eine Segelyacht zu sehen.
Das Radarbild haben wir mit zusätzlichen Erläuterungen versehen:

Radarbild mit Erlaeuterungen

A Der Ankerlieger, von dem diese Bilder stammen
B Die motorende Segelyacht ohne aktives AIS oder Radarreflektor
C Das ankernde Kreuzfahrtschiff. An seinem Bug ist schwach das Symbol für das AIS-Signal (weißes Triangel) zu erkennen. Die gelbe Fläche stellt das Radarecho, die rosa Fläche die Schleppe des Radarechos (Trail) dar.
D Eine mit AIS ausgerüstete Segelyacht, die das Heck des Kreuzfahrers mit westlichem Kurs passiert.
E Ein weiterer Ankerlieger (nicht auf dem Foto von der Brücke). Dies ist daran zu erkennen, dass sich das AIS-Symbol in der Radarschleppe befindet. Offensichtlich schwoit das Schiff, da ein Fahrzeug vor Anker nur alles drei Minuten ein AIS-Signal sendet, das Radarecho aber natürlich in Echtzeit dargestellt wird.
F Hier gilt das unter E Genannte, nur ist das AIS-Signal aktueller.
G Ein Fahrzeug mit langsamer Fahrt und nordöstlichem Kurs. Wieder sind AIS-Symbol, Radarecho und Radarschleppe gut zu erkennen. Da sich die Schleppe mit dem Echo ziemlich deckt, wird sich das Fahrzeug nur sehr langsam bewegen oder es liegt auch vor Anker.
H Ein Fahrzeug, das sich offensichtlich treiben lässt oder sehr langsam fährt (Fischer oder Sportboot?). Erneut sind AIS-Symbol, Radarecho und Radarschleppe gut zu erkennen.

Der Verfasser des Facebookartikels (Kapitän auf dem Kreuzfahrtschiff) hat uns noch folgende ergänzende Informationen geschickt:
Die Ankerlieger schwojen wirklich immens (wir sind eines der mittleren Schiffe und haben eine Windangriffsfläche von 9000m² auf der Seite). Das Schiff nimmt bis zu 2 Kn lateral Fahrt auf und dampft dann in die Kette ein. Deshalb haben auch die ganzen Ankerlieger Trails. Beladene Tanker hätten das nicht.
Die Kreise um die Ankerpositionen haben wir selbst in unsere Ecdis gemacht, damit wir sofort sehen falls der Anker von einem anderen Schiff nicht hält um dann umgehend selbst Maßnahmen ergreifen zu können.

Übrigens: Hätte die motorende Segelyacht (B) ein aktives AIS, würde das Radarbild so aussehen (ein Hinweis, wie wichtig aktives AIS für Yachten ist):

Radarbild 2

 

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