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3.8.2019, Fabian Damm

Bei ca. 25 °C fuhren wir am Mittwochabend, 19. Juni, nach Feierabend von Hamburg zum Olympiazentrum in Schilksee. Obwohl niemand an gutes Wetter während der Kieler Woche glaubte, sagte der Wetterbericht auch für die kommenden Tage Sonne und hohe Temperaturen voraus. Seit der Berliner Meisterschaft im April gab es leider keine Regatten im J/24-Kalender. Das Boot war mittlerweile entsprechend dreckig und wurde deshalb vorm Schlafengehen noch schnell poliert.
 
Am Donnerstagmorgen ging es dann los. Bei dem gemeinsamen Frühstück in der Mitte unserer Wagenburg auf dem Campingplatz wurden die morgendlichen Aufgaben verteilt. Wer holt den Wetterbericht von Meeno Schrader, wer sieht aufs Notice Board, wer checkt den Mast-Trimm, haben wir ausreichend Verpflegung und Wasser für die Wettfahrtpausen? Auf der langen Fahrt hinaus in Richtung Bahn Delta, weit draußen auf dem Stollergrund, besprachen wir die Regattaauschreibung samt Kurs und auch unsere Erwartungen.
Die Mannschaft bestand aus Steuermann: Fabian Damm, Trimm: Jannik Dühren, Taktik: Jonas Lyssewski, Mast: Moritz Böök, Vorschiff: Thorsten Paech.
Wir segelten auf einem Trapezkurs zusammen mit J/80 und J/70, welche beide mit Gennaker ausgestattet sind. Die J/24 sollte die letzte Startgruppe sein, um mit ihren Spinnakern ungestört auf dem Inner-Loop des Trapezkurses segeln zu können, während die anderen beiden Klassen auf dem Outer-Loop unterwegs waren. Wir setzten uns das Ziel, Top fünf von 28 Booten mit sechs internationalen Teilnehmern zu erreichen und gingen gewissenhaft an unsere Startvorbereitungen.
Nach drei Tagen und acht Rennen hatten wir waren wir sehr konstante Ergebnisse um den 7. Platz herum. Normalerweise reicht das für die Top 5, doch die Gegner segelten ähnlich konstant, und es waren leider immer dieselben Boote vor uns. Wir versuchten weiterhin, noch ein paar Top Ergebnisse einzufahren, doch über unser gesetztes Ziel sprachen wir nur noch wenig.
 Am Sonntag standen noch drei Rennen an. Die Bedingungen wurden taktisch schwieriger, und die Boote der Spitzengruppe leisteten sich plötzlich größere Fehltritte. Durch die veränderte Taktik stieg der Druck für alle Teams, einen perfekten Start zu fahren, und einige bezahlten ihren Übermut mit einer Disqualifikation für einen Frühstart. Wir landeten jedoch trotz allem Ehrgeiz weiterhin konstant im vorderen Mittelfeld.
 
In der letzten Wettfahrtpause nahm der Wind dann stetig zu, alle Teams wechselten nach und nach auf das kleinere Vorsegel und drehten mehr Spannung auf die Wanten, während der Wettfahrtleiter den Kurs an die neuen Bedingungen anpasste. Aufgrund von weiteren Frühstarts und allgemeinen Rückrufen wurden mehrere mehrere Startversuche gebraucht, um die anderen beiden Startgruppen (J/70, J/80) auf den Kurs zu bekommen. Als letzte Startmöglichkeit war 14 Uhr ausgeschrieben, und dafür lief uns so langsam die Zeit davon. Wir waren zum einen voller Vorfreude, bei den mittlerweile über 30 Knoten Wind noch einmal unser Können beweisen zu dürfen und gleichzeitig hochgradig nervös, dass die Wettfahrt aus Zeitgründen nicht mehr gestartet werden würde.
 
 
 
Um 13:57 Uhr kam dann der Funkspruch. Wir würden in allerletzter Minute um Punkt 14 Uhr unser Ankündigungssignal bekommen. Das Startverhalten aller Teams war deutlich konservativer als sonst, da wir mittlerweile aufgrund des Windes im ”Überlebensmodus” regattierten. Die Abstände zwischen den Booten wurden größer, die Manöver wurden vorsichtiger und die gegenseitige Rücksichtnahme hatte auf einmal höheren Stellenwert, als das bedingungslose Ziel, vor einem anderen Boot zur nächsten Tonne zu kommen. Mit schlagenden Segeln, um dem Überdruck Herr zu werden, kreuzten wir zum ersten Luvfass. Wir waren wie immer im vorderen Mittelfeld, doch diesmal beunruhigte uns das wenig. Bei solchen Bedingungen kann man sehr schnell aufholen, solange man sich nicht zu sehr einschüchtern lässt. Also, rum ums Fass und Spinnaker hoch! Die Zahl der Teams, die das wagten, war begrenzt und einem Team zerplatzte die Blase direkt nach dem Setzen. Bei uns ging alles glatt und so fuhren wir mit bis zu 14,1 Knoten auf den dritten Platz vor.
Nun bloß keinen Sonnenschuss fahren! Wir starteten rechtzeitig mit dem Leetonnen-Manöver, doch der Spinnaker wollte nicht runter kommen. Verdammt! Wir fuhren weit an der Tonne vorbei und überlegten schon, Hilfe anzufunken, als wir das Segel schließlich bergen konnten. Damit waren wir Letzter, doch es war noch eine weitere Runde zu segeln. “Alle auf die Kante und weiter gehts”, schallte es vom Taktiker. Aufgeben kam nicht in Frage. Während wir uns gegen Wind und Welle wieder zum Luvfass kämpften. schreiten wir gegen den Lärm der schlagenden Segel an und diskutierten, wie wahrscheinlich es denn wäre, dass dieses Malör noch einmal passiert. Angesichts unserer gegenwärtigen Position am Ende des Feldes sprach der Taktiker erneut ein Machtwort: ”Der Spi geht an der Tonne hoch!”. Kaum ein anderes Team wagte das noch, und so rutschten wir schlussendlich als Neunter ins Ziel.
Die Stimmung auf der Fahrt in den Hafen war ausgelassen, hatten wir doch gerade erfolgreich gegen die Elemente gekämpft und konnten uns nun einander unsere Heldengeschichten erzählen. Im Hafen fanden wir heraus, dass sich unsere konstante Serie dann doch noch auszahlte. Wir wurden insgesamt Fünfter und hatten somit unser Ziel erreicht. Vor uns waren nur ein Amerikaner, ein Brite und zwei deutsche Top Teams. Der Einsatz im letzten Rennen wurde damit direkt belohnt. Wir sind glücklich über die bisher erfolgreichste Kieler Woche des “Hungrigen Wolfs” und noch dazu über das beste Wetter während dieser Veranstaltung, an das wir uns erinnern können.

Die Redaktion gratuliert zu dieser sehr guten Leistung!
 
Übrigens: Das SVAOe-Frauenteam der J/24 “Luv” unter Laura Hatje mit Caren Ramien, Lisa Raschdorf, Janne Höpken, Lea Tornow, Pheline Hummelt hat, auch wenn es in diesem Bericht nicht erwähnt ist, bei so einer wichtigen Regatta natürlich ebenfalls teilgenommen und mit einem 10. Platz hervorragend abgeschnitten. Wir gratulieren genauso herzlich!
 
Fotos Lynn Thorns
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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